Samstag, 12. März 2016     (Auszug aus der Pforzheimer Zeitung)

 

Jetzt erst mal 'nen Kaffee!

Für die einen ist er Alltagsgetränk, für die anderen eine Philosophie: Kaffee.

Rund 600 Kleinröstereien gibt es in Deutschland. Zwei davon in Pforzheim und im Enzkreis hat "Heimatstark" besucht.

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Qualität statt Masse hat sich auch Bernd Schwarzmeier auf die Fahnen geschrieben. 2008 hat er im Arlinger angefangen zu rösten. 2009 hat er sich in Ellmendingen niedergelassen - gerade bereitet er den Umzug nach Eisingen vor. Den Namen aber hat er mitgenommen: Pforzheimer Kaffeerösterei. Mit der hat er eine Nische gefunden und besetzt: "Wir haben uns auf handgeerntete Hochland-Kaffees spezialisiert." Schwarzmeier ist Genießer. Nicht nur - aber eben auch - beim Kaffee. 2004 hat er die Slow-Food-Vereinigung in der Region mitbegründet. Seine ersten Kaffees hat er in der Pfanne in der heimischen Küche geröstet, bis er Ärger mit seiner Frau gekriegt habe, auf die Paella-Pfanne auf dem Grill im Garten umgestiegen sei und sich schließlich seinen ersten 300-Gramm-Röster zugelegt habe. "Die Geruchsbelästigung ist ein großes Problem beim Rösten", sagt Schwarzmeier. Nicht nur im kleinen Rahmen, auch für die Betriebe.
In Hamburg und Bremen hat er eigene Kaffeelager, die ihm drei Importeure füllen. Die Mindestabnahmemenge bei Kaffee sei üblicherweise eine Palette mit 10 Säcken à 70 Kilogramm. "Wir können aber auch kleinere Mengen bekommen", sagt der 63-Jährige. Das erlaube ihm, mit neuen Sorten und Röstungen zu experimentieren. Rund 40 Prozent seiner Bohnen beziehe er aus Äthiopien. Ein weiterer großer Teil komme von kleinen Plantagen im Hochland Brasiliens. Über die Hälfte sein Bio-Kaffee.

In Schwarzmeiers Rösterei ist alles einen Nummer größer als bei Müller. Sein gas-beheizter Toper-Röster fasst gleich 17 Kilogramm auf einmal. Aber auch Schwarzmeier röstet langsam und schonend, um die Bitterstoffe zu reduzieren - anders als die Großindustrie: "Die rösten nur vier bis fünf Minuten bei 800 bis 900 Grad." Schwarzmeier verarbeitet zu 90 Prozent Arabica und zu zehn Prozent Robusta - sowohl sortenrein, als auch in verschiedenen Mischungen: "Die zu entwerfen ist wahnsinnig spannend." Insgesamt hat er 14 Kaffees im Angebot - als Spezialität einen sortenreinen Robusta aus Kamerun. So unterschiedlich die Kaffees im Geschmack sind, so unterschiedlich eignen sie sich für die Zubereitung mit Siebträgermaschine, Vollautomat, Filtermaschine, Frenchpress oder Handbrühung.

Seine Kaffees setzt Schwarzmeier über Internet, an Privatkunden, Biomärkte und Einzelhändler in der Region ab, aber auch an Gastronomen und Geschäftskunden oder das Café im Wiernsheimer Kaffeemühlenmuseum. Und wenn er sich selbst einen Kaffee gönnt? "Dann am liebsten frisch gemahlen und mit dem Filter aufgebrüht - da kriegt man das meiste Aroma." [...]


Samstag, 19. Februar 2011

Gestreckter Kaffee - Kundentäuschung mit Melange

Während der Kaffeepreis durch die Decke geht, werden die Hersteller kreativ: Sie mischen Maltrodextrin oder Karamell ins Pulver und sparen so nicht nur den teuren Rohstoff, sondern auch Steuern. Verbraucherschützer fordern klare Kennzeichnungen.

 

"Melange" – das klingt erstmal ziemlich edel. Man denkt an die Wiener Melange, diese Mischung aus Mokka und Milch, oder an die Schweizer Variante mit Schlagsahne. Das alles hat allerdings wenig mit dem zu tun, was im Kaffeeregal von Supermärkten gemeinhin als "Melange" verkauft wird. Dort steht der Begriff einfach für eine Mischung aus Kaffee und billigen Zuckerstoffen.

 

Die "Melange"-Packungen von Tchibo, Onko und Co enthalten nur zu knapp 90 Prozent Röstkaffee. Der Rest besteht aus Maltrodextrin und Karamell. Alles zum Wohle des Kunden, sagen die Kaffeeröster. Die Zuckerstoffe dienten schließlich der Geschmacksverbesserung. So wirbt beispielsweise Röstfein Kaffee auf  der "Rondo Melange"-Packung mit erlesenem Kaffeegenuss, "veredelt mit kandierten Bohnen". Veredeln dürfte der Zuckerzusatz aber vor allem die Bilanzen der Hersteller. Denn für sie rechnet sich die Sache gleich doppelt: Zum einen sparen sie Kaffee. Der Rohstoff ist allein in den letzten zwei Monaten um fast ein Viertel teurer geworden, da liegt es nahe, das Pulver mit billigen Zuckerstoffen zu strecken. 

 

Mischen spart Steuern

Zum anderen sparen die Röstereien aber auch jede Menge Steuern. Für jedes Kilo Kaffee gehen 2,19 Euro Röststeuer an den Fiskus. Da machen 50 Gramm mehr oder weniger schon einen gewissen Unterschied. Zumal der Steuersatz durch ausreichende Beimischung sinkt. Enthält eine Packung höchstens 90 Prozent Kaffee, dann handelt es sich steuerrechtlich gar nicht mehr um Kaffee, sondern um kaffeehaltige Ware. Und die wird mit maximal 1,76 Euro pro Kilo besteuert. Kein Wunder also, dass etwa "Eduscho Gala" oder die Onko-Kaffees nur noch 89 oder 88 Prozent Röstkaffee enthalten - jede 500 Gramm-Packung wird auf diese Weise gut 20 Cent günstiger.

 

Was Verbraucherschützer an der Sache besonders ärgert: Viele Kunden wissen nicht genau, was sie da kaufen. Zwar kennzeichnen die Hersteller ihre Melange-Kaffees inzwischen mit dem Hinweis "Röstkaffee mit Karamell" – das ist das Ergebnis eines gerichtlichen Vergleichs mit der Wettbewerbszentrale Hamburg. Doch bei Kaffeebezeichnungen wie " Der Harmonische – klassisch" übersieht man meist, dass es sich nicht um reinen Kaffee handelt. "Durch die Bezeichnung 'klassisch' werden Verbraucher besonders in die Irre geführt", kritisiert Andrea Schauff von der Verbraucherzentrale Hessen. Um Verwechslungen zu vermeiden, fordern die hessischen Verbraucherschützer eine eindeutige, leicht erkennbare Verkehrsbezeichnung für Melange-Kaffees. Auch die Aufmachung müsse sich eindeutig vom hundertprozentigen Röstkaffee unterscheiden.

 

Wenn es den Herstellern tatsächlich um Geschmacksverbesserung ginge, hätten sie übrigens noch andere Möglichkeiten: sie könnten hochwertigere Sorten verwenden und die Bohnen schonender rösten. Billiger wird die Sache dadurch allerdings nicht.

 
Quelle: n-tv.de, http://www.n-tv.de/ratgeber/Kundentaeuschung-mit-Melange-article2652941.html